Offizielle Inbetriebnahme der AVR Bioabfallvergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung auf dem Gelände der AVR Deponie Sinsheim

Bild 1: Die neue AVR Bioabfallvergärungsanlage

Bild 2: Für die Gasaufbereitung: Feinentschwefelung mittels Aktivkohlefilter

 

Die AVR Bioabfallvergärungsanlage mit Biomethaneinspeisung – Beitrag zur regionalen Energiewende

Für die Sinsheimer AVR-Gruppe, für die zuständigen politischen Gremien und besonders für Landrat Stefan Dallinger ist der 25. September 2019 ein besonderer Tag. Mit der offiziellen Inbetriebnahme geht ein landesweites Leuchtturmprojekt an den Start: Die neue AVR Bioabfallvergärungsanlage in Sinsheim. „Ein wichtiger Beitrag zur regionalen Energiewende ist Realität geworden. Die AVR Bioabfallvergärungsanlage stellt die langfristige Entsorgungssicherheit des Rhein-Neckar-Kreises sicher und bringt unsere politischen Ziele wie regionalen Klimaschutz und regionale Energieversorgung einen entscheidenden Schritt voran“, sagt der Landrat, dessen besonderer Dank dem erfolgreichen Teamwork aller Beteiligten gilt, allen voran den Akteuren und Verantwortlichen der kreiseigenen Tochtergesellschaften innerhalb der Sinsheimer AVR-Gruppe.

Mit dem mehrstufigen Verwertungskonzept erfüllt die neue AVR Bioabfallvergärungsanlage alle Kriterien für Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit und ist ein Musterbeispiel für einen ökologischen Ressourcenkreislauf, der regionalen Klimaschutz mit stabiler Rentabilität verbindet. „Früher war Müll einfach nur Müll. Heute sind Abfälle längst zu einer bedeutenden Energiequelle geworden“, so Umweltstaatssekretär Baumann. „Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Deshalb ist der Weg, Wertstoffe zu sammeln, stofflich und energetisch zu verwerten und im Ergebnis mittels moderner technischer Verfahren aus Abfallstoffen klimafreundliche Energien zu gewinnen, konsequent und zukunftsweisend.“

Mit seiner Zustimmung vom 4. April 2017 hatte der Kreistag des Rhein-Neckar-Kreises als zuständiges Gremium einstimmig grünes Licht für das ambitionierte 45 Millionen Projekt „AVR Bioabfallvergärungsanlage“ gegeben. Auch die Sinsheimer Bevölkerung wurde frühzeitig informiert, war jederzeit in den Prozess eingebunden und stand von Beginn an hinter dem Großprojekt.

Nach Monaten intensiver Planung, aufwändiger Ausschreibungsverfahren, akribischer Wirtschaftlichkeitsberechnungen und strategischer Feinarbeiten erfolgte am 22. Februar 2018 der erste Spatenstich. Der Ausbau in den folgenden Monaten verlief „just in time“, so dass im Frühjahr 2019 termingerecht mit dem Probedurchlauf begonnen werden konnte. Am 19. Juli 2019 speisten AVR und MVV erstmals umweltfreundliches Biogas in das Erdgasnetz ein.

 

AVR BioTerra GmbH & Co. KG und AVR BioGas GmbH

Um für den Bau und den Betrieb der 45-Millionen-Investition optimale und rechtssichere Organisationsstrukturen zu schaffen und zugleich vorhandene Kompetenzen und externen Sachverstand zu bündeln, wurden zwei neue Gesellschaften gegründet: die  AVR BioTerra GmbH & Co. KG und die AVR BioGas GmbH.

Die jährlich rund 60.000 Tonnen biogener Abfälle werden in der neuen AVR Anlage vergoren, getrocknet und anschließend von der AVR BioTerra GmbH & Co.KG als gütegesicherter, zertifizierter Frischkompost vermarktet. Dieser Kompost zeichnet sich durch einen hohen Düngerwert aus, er trägt zur Humusbildung bei und ist äußerst pflanzenverträglich. Die regionale Landwirtschaft verfügt damit langfristig über einen wertvollen, organischen Dünger, der zudem als Torfersatz im privaten und kommerziellen Gartenbau Verwendung finden wird.

Partner bei der AVR BioTerra GmbH & Co. KG ist die Firma REMONDIS, die im Frühjahr 2017 aus der europaweiten Ausschreibung als kompetentester Anbieter hervorgegangen war. REMONDIS ist mit 49% an der AVR BioTerra GmbH & Co. KG beteiligt und hat zudem die Bioabfallvergärungsanlage als Generalübernehmer zu einem vertraglich vereinbarten Festpreis errichtet. Damit wurden unerwünschte Kostenüberschreitungen bereits im Vorfeld ausgeschlossen. 51% an der AVR BioTerra GmbH & Co. KG verbleibt in Händen des Rhein-Neckar-Kreises. Als gemeinsame Geschäftsführer der neuen Gesellschaft fungieren Siegfried Rehberger (Geschäftsführer REMONDIS Südwest) für die technischen Belange, Peter Mülbaier (Geschäftsführer AVR UmweltService GmbH) ist deren Sprecher.

Das im Vergärungsprozess erzeugte Rohbiogas wird in einem nächsten Verfahrensschritt von der AVR BioTerra GmbH & Co. KG an ihre Schwestergesellschaft AVR BioGas GmbH geliefert. Nach einer entsprechenden Vorreinigung wird es zu Biomethan aufbereitet, bevor die Einspeisung in das Erdgasnetz erfolgt. Die AVR BioGas GmbH ist zuständig für die Vorreinigungs- und Aufbereitungsstufen sowie für die anschließende Vermarktung des Biogases. Pro Jahr werden in der Anlage rund 40 Millionen Kilowattstunden Bioerdgas erzeugt. Dies entspricht einem Jahresbedarf von etwa 2.700 Haushalten. Die Biogasaufbereitung und -einspeisung ermöglicht zugleich eine flexible und dezentrale Nutzung dieser erneuerbaren Energie - sowohl da, wo sie benötigt wird, als auch genau dann, wann sie gebraucht wird. Das Erdgasnetz stellt auf diese Weise mit seiner vorhandenen Struktur einen riesigen Speicher zur Verfügung, der gerade im Sinne der Energiewende immer wichtiger wird. Zusätzlich kann zum Ausgleich von Produktions- und

Einspeiseschwankungen vor Ort auch ein 5.000 Kubikmeter fassender Biogasspeicher genutzt werden. Die AVR Bioabfallvergärungsanlage ist aus Sicherheitsaspekten in ihren wesentlichen Teilen redundant ausgeführt, ein tatsächliches Ausfallrisiko geht damit gegen Null. Nicht zu vergessen die komplette Einhausung der Anlage. Unterdruck und zahlreiche Biofilteranlagen stellen sicher, dass im Regelfall keinerlei Gerüche nach außen dringen.

Wie bei der AVR BioTerra GmbH & Co. KG sind auch im Bereich Biogas kompetente und erfahrene Partner mit an Bord und bringen ihre Kompetenzen auf dem Gebiet der Biogasaufbereitung und Netzeinspeisung in das Projekt mit ein. An der AVR BioGas GmbH sind das Mannheimer Energieunternehmen MVV Energie AG mit 41,5%, die Stadtwerke Sinsheim Versorgungs GmbH & Co. KG mit 7,5% und die AVR Energie GmbH mit 51% beteiligt.

„Die AVR Bioabfallvergärungsanlage ist im Bezug auf das Gesamtvolumen der nationalen Energiewende vergleichsweise sicherlich ein eher kleiner Schritt, ganz sicher aber ein großer Schritt im Sinne des regionalen Klimaschutzes. Für die AVR-Gruppe ist die offizielle Inbetriebnahme deshalb ein besonderer Tag in der mittlerweile über 25jährigen Unternehmensgeschichte, der auch mich persönlich mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt“, resümiert Geschäftsführer Peter Mülbaier. „Mein herzlicher Dank gilt deshalb allen Beteiligten, besonders unseren operativen Partnern bei diesem Großprojekt. Ich bedanke mich bei der Firma REMONDIS für die jederzeit konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Ein ebenso herzliches Dankeschön geht an die MVV Energie AG. Unser Partner im Bereich Biogas betreibt im Übrigen bereits mehrere hocheffiziente Biomethananlagen und wir sind sicher, dass wir von diesen Expertisen langfristig profitieren werden“, so Mülbaier, der in seinen Dank ausdrücklich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der AVR-Gruppe, die sich engagiert und mit großem fachlichem Know how eingebracht haben, mit einschließt.

Bild 3: Rottehalle (im Bild links) und Gärrestkonditionierhalle (im Bild rechts)

 

Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit, Synergieeffekte

Die mehrstufige Konzeption der Bioabfallvergärungsanlage erfüllt gleich eine Vielzahl markanter Kriterien, von der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit über diverse Synergieeffekte bis hin zur konsequenten Nutzung von staatlichen Förderrichtlinien.

Beispiel Nutzung von Förderrichtlinien: Der Gesetzgeber fördert im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verstärkt Biogas aus der kommunalen Abfallverwertung. Ein Umstand, dem mit den Produktionsabläufen in der neuen Vergärungsanlage vollauf Rechnung getragen wird.

Beispiel Synergieeffekte: Ein Teil der Abwärme des direkt benachbarten AVR Biomasseheizkraftwerks wird künftig nicht mehr „in die Luft geblasen“, sondern für die Trocknung der flüssigen Gärreste verwendet. Damit ist ein weiterer Ressourcenkreislauf ökologisch und vor allem auch ökonomisch sinnvoll geschlossen, denn die Akteure haben bei der künftigen Form der Abfallverwertung nicht nur die Förderung der regionalen Klimaschutzziele, sondern auch die Wirtschaftlichkeit und eine stabile Rentabilität fest im Blick. 

 

Der Standort Sinsheim

Bei der Standortwahl für die AVR Bioabfallvergärungsanlage wurde besonders darauf geachtet, dass die notwendige Infrastruktur bereits weitgehend vorhanden ist und sowohl verkehrstechnische als auch sonstige Belästigungen der Bürgerinnen und Bürger beim Bau oder dem späteren Betrieb weitgehend auszuschließen sind. Das Gelände auf der AVR Deponie Sinsheim bietet dafür in jeder Hinsicht die idealen Voraussetzungen. Von technischen Einrichtungen über Waagen bis zu einem modernen Maschinenpark ist bereits alles vorhanden. Für die AVR-Gruppe ist der neuerliche, partnerschaftliche Schulterschluss mit der Stadt Sinsheim zudem ein klares Bekenntnis zum Unternehmenssitz. Nach dem Willen der AVR soll auch die Stadt von den künftigen Aktivitäten der AVR BioTerra GmbH & Co. KG und der AVR BioGas GmbH mittel- und langfristig profitieren.

 

Zahlen, Daten, Fakten

Gesamtnutzfläche der Biomassevergärungsanlage: ca. 22.000 qm

Davon bebaut: ca. 11.500 qm

Die Anlage besteht aus:

- der Annahmehalle zur Störstoffentfrachtung

- der Bunkerhalle zur Zwischenlagerung

- dem Doppel-Fermenter mit je 2.250 cbm Rauminhalt zur Methanerzeugung

- dem Doppel-Gärrestkonditionierer zur Trocknung der Flüssiggärreste

- ingesamt 13 Rottetunneln und drei baugleichen Lagertunneln zur Kompostierung

Es wurden verbaut:

- ca. 14.000 cbm Ortbeton (ohne angelieferte Betonfertigteile)

- ca. 1.550 Tonnen Baustahl

- ca. 9,3 km Lüftungsrohre und ca. 20 km Heizleitungen in den Rottetunneln

- über 2,6 km Abwasser- und Frischwasserleitungen mit 51 Schächten

- über 2,1 km Stromleitungen

Bild 4: Gasspeicher mit einem Volumen von 5.000 m3

 

Die AVR BioEnergieTonne als Energieressource der Zukunft

Mit der Einführung der gebührenfreien BioEnergieTonne setzt die AVR-Gruppe bereits seit 2012 die seit 01.01.2015 verbindlichen Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes um, das eine getrennte Erfassung der biogenen Abfälle vorschreibt. Die so gesammelten Mengen sind gleichzeitig die Basis für die neue AVR Bioabfallvergärungsanlage. Aktuell sind rund 100.000 AVR BioEnergieTonnen kreisweit im Einsatz.

Die jährlich im Rhein-Neckar-Kreis gesammelten Mengen an Biomüll weisen seit Jahren rasante Steigerungsraten auf. Von rund 7.000 Tonnen im Jahr 2011 auf ca. 48.000 Tonnen aktuell, Prognose weiter steigend auf bis zu 60.000 Tonnen Bioabfall und 5.000 Tonnen Grünabfälle und mehr in den kommenden Jahren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Der Rhein-Neckar-Kreis ist ein attraktiver Standort mit gefragten Arbeitsplätzen und einer hohen Lebensqualität, seine Bevölkerung wächst stetig und ist zudem in weiten Teilen nachweislich „grüne-Energien-affin“. Wenn also zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürger die Strategie des getrennten Sammelns mittels der BioEnergieTonne verinnerlichen und sich damit der Idee anschließen, durch eigenes Zutun am Ende hochwertige Produkte für die hiesige Landwirtschaft und grünes Bioerdgas für eine saubere Energieversorgung zu generieren, dann ist das Plus an Mengen sichergestellt und eine Nachhaltigkeit für die Zukunft in der Region verankert.

Bild 5: Rottehalle mit Rottetunneln (im Bild links)

 

Was gehört in die AVR BioEnergieTonne und was nicht?

In die BioEnergieTonne der AVR gehören nur biologisch abbaubare und organische Abfälle wie z.B. kleine Äste, Blumen, Eierschalen, Essensreste (auch Fleisch und Fisch), Fallobst, Gartenabfälle, Gemüsereste, Gras, Kaffeefilter, Kaffeesatz, Kleintierstreu, Laub, Obstreste, Fruchtschalen, Papierhandtücher, Papierservietten, Papiertaschentücher, Pflanzenreste, Rasenschnitt, Salatabfälle, Schnittblumen, Tee mit Filterpapier usw. Nicht in die BioEnergieTonne gehören Plastiktüten, auch keine kompostierbaren Plastiktüten. Diese Biomülltüten brauchen zu lange, bis sie verrotten.

Eine sinnvolle Ergänzung zur BioEnergieTonne der AVR sind die AVR BioEnergieTüten aus Papier. In diesen Papiermülltüten kann der Bioabfall einfach, sauber und ohne Geruchsbelästigung gesammelt werden. Die praktischen AVR BioEnergieTüten sind im Zehnerpack bei den örtlichen Verkaufsstellen in zahlreichen Gemeinden sowie in 30 REWE-Märkten im Rhein-Neckar-Kreis erhältlich.

Informationskampagne #wirfuerbio: Kein Plastik in die Biotonne! 

 

Je sauberer der Input, desto hochwertiger der Output! Für die Qualität der Produkte, die in der neuen AVR Bioabfallvergärungsanlage entstehen, ist es von großer Bedeutung, dass Störstoffe und vor allem der Plastikanteil im Bioabfall reduziert werden. Das Hauptproblem dabei ist bekannt: Plastiktüten. Plastiktüten bestehen hauptsächlich aus Erdöl und benötigen etwa 20 Jahre, um sich zu zersetzen. Damit ist die Tüte aber längst noch nicht biologisch abgebaut. Übrig bleibt sie in Form von Mikroplastik, welches dann in die Nahrungskette, ins Grundwasser und in die Weltmeere gelangt. Auch so genannte „kompostierbare Plastiktüten“ gehören nicht in den Bioabfall. Diese Tüten erfüllen zwar die Euro-Norm und zersetzen sich langsam, können allerdings innerhalb des verfügbaren Zeitfensters beim Bioabfallvergärungsprozess nicht vollständig biologisch abgebaut werden. In den Vergärungsstufen „zerschmelzen“ diese Tüten und sind dann kaum noch im Kompost zu trennen. Unter dem Motto #wirfuerbio haben sich die AVR Unternehmen deshalb einer Informations- und Aufklärungskampagne der deutschen Abfallwirtschaftsgesellschaften angeschlossen. Das Ziel: die Bürgerinnen und Bürger für das bewusste Mülltrennen zu sensibilisieren, den Plastikanteil im Bioabfall drastisch zu reduzieren und damit die Qualität des Biomülls und der aus Bioabfall gewonnenen Produkte deutlich zu verbessern.

Weitere Infos unter www.avr-wirfuerbio.de.

 

Bildunterschriften:  

Bild 1: Die neue AVR Bioabfallvergärungsanlage

Bild 2: Für die Gasaufbereitung: Feinentschwefelung mittels Aktivkohlefilter

Bild 3: Rottehalle (im Bild links) und Gärrestkonditionierhalle (im Bild rechts)

Bild 4: Gasspeicher mit einem Volumen von 5.000 m3

Bild 5: Rottehalle mit Rottetunneln (im Bild links)

Bild 6: Gärrestkonditionierer 

Bildrechte: AVR UmweltService GmbH, Sinsheim. Veröffentlichung: kostenfrei.

Bild 6: Gärrestkonditionierer

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